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Sprengabbruch Wohnkomplex „Goliath“ in Marl
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Wieder eine spektakuläre Sprengung

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Am 13.08.2006 um 9.55 Uhr kommt es zum großen Knall.

Das Projekt
Der Wohnkomplex „Goliath“ befindet sich im Zentrum der Stadt Marl (Kreis Recklinghausen) in unmittelbarer Nähe zum Einkaufszentrum „Marler Stern“. Der Goliath prägt mit einer Höhe von ca. 53 m das Stadtbild des Zentrums. Der 1972 errichtete Wohnkomplex besteht aus drei baugleichen, lückenlos aneinander gereihten Einzelgebäuden mit 17 Ober- und 2 Untergeschossen. Das in monolithischer Schottenbauweise errichtete Gebäude mit eingelegten Fertigteildecken umfasst ca. 46.200 m3 umbauten Raum bei einer in Anspruch genommenen Grundfläche von ca. 950 m2. Das Eigengewicht des Wohnkomplexes (reine Tragkonstruktion) beträgt ca. 18.450 to.
Baulich separat, aber direkt angrenzend befindet sich in nord-östlicher Richtung eine zweigeschossige Parkpalette, die im Rahmen der Rückbaumaßnahme mittels konventionellen Methoden abgebrochen wird. Der umbaute Raum der Tiefgarage beträgt ca. 12.800 m3 bei einer in Anspruch genommenen Fläche von ca. 2300 m2.

Das Szenario
In zentraler Lage mit benachbarten Wohngebäuden, öffentlichen Einrichtungen (Rathaus, Amtsgericht etc.) und dem Einkaufszentrum „Marler Stern“ ist das Grundstück des „Goliath“ durch ein Straßendreieck eingegrenzt. Aufgrund der Vorgabe, dass für den Abbruch des Wohnkomplexes im Auftrag der WPSchmitt Bauträger AG nur die Fläche des späteren Neubaugrundstückes zur Verfügung steht, sind die möglichen Falllängen für das Gebäude stark begrenzt. An dieser Stelle kommt das erstmals und direkt erfolgreich in Hagen angewendete Kipp-Kollaps-Sprengverfahren gleich dreifach zur Anwendung.

Abbruch- und Entsorgungskonzept
Das Abbruch- und Entsorgungskonzept ist eine unentbehrliche Grundlage für den Abbruchantrag. Hier werden sämtliche Angaben zum Bestand, zur Abbruchplanung, zur Entsorgung der anfallenden Abfälle sowie zu den notwendigen Sicherheits- und Schutzmaßnahmen aufbereitet und zusammengefasst. Durch das Abbruch- und Entsorgungskonzept wird den beteiligten Ämtern und Trägern öffentlicher Belange eine umfangreiche Entscheidungs- und Bewertungsgrundlage an die Hand gegeben, die eine zügige Bearbeitung des Abbruchantrages ermöglicht. Ein wichtiger Bestandteil des Abbruchkonzeptes ist in diesem Falle zweifelsohne die Planung zum Sprengprojekt. Dabei galt es das Sprengkonzept so zu wählen, dass der Einsturzvorgang auf das Abbruchgrundstück begrenzt bleibt. Hierzu werden die Dehnfugen zwischen den drei Teilblöcken genutzt, so dass jeder Block für sich unterschiedlich fallen kann. Auf Grund der monolithischen Bauweise bleibt nur das Prinzip der Sprengfaltung (Kipp-Kollaps). Entsprechend der Bauweise und des Grundrisses können die Blöcke am besten über die Breitseite (lange Achse) kippen. Diese Kipprichtung wurde für die Blöcke Nord und Mitte gewählt. Auf Grund des nur geringen Abstands zur Straße muss Block Süd jedoch in Längsrichtung kippen. Im Klartext: Zuerst erfolgt die Sprengung des mittleren Turms mit einer Kipp-Kollaps-Sprengung, zeitversetzt erfolgt die Sprengung des nördlichen Turms ebenfalls im Kipp-Kollaps-Verfahren. Gerade in dem Moment, wenn diese beiden Gebäude liegen, erfolgt die Sprengung des südlichen Turms – quer zur Fallrichtung der beiden ersten. Dabei kommen die Schuttmassen auf den „Trümmern“ der beiden bereits gefallenen Gebäudeteile zum liegen.

Zeitpunkt t = 0 sek.: Sprengung des mittleren Blocks
Zeitpunkt t = 2 sek.: Sprengung des nördlichen Blocks
Zeitpunkt t = 4 sek.: Sprengung des südlichen Turms

Durch das Kippen und Kollabieren der Gebäudestruktur, durch den hierfür erforderlichen, zeitlichen Versatz und durch die unterschiedlichen Fallrichtungen ist eine Sprengung auf so engem Raum möglich – ohne Gefährdung umliegender Gebäude.

Die zwischen 18 und 25 cm starken Stahlbetonwände der Sprengzonen in den jeweiligen Etagen werden jeweils etwa 1 m hoch mit angelegten Ladungen vorbereitet. Wichtig für die Wirksamkeit der Anleger und den Sprengschallschutz ist eine gute Verdämmung mit Sand.

Abbruchantrag
Auf Grundlage des Abbruch- und Entsorgungskonzeptes wurde der Abbruchantrag beim zuständigen Bauordnungsamt gestellt. Aufgrund des umfassenden Inhaltes dieser Konzepte und der frühzeitigen Beteiligung aller erforderlichen Ämter und Behörden im Rahmen von Informationsveranstaltungen und themenbezogenen Projektbesprechungen ist die schnelle Erteilung der Abbruchgenehmigung ohne besondere Beanstandungen und einschränkende Auflagen gewährleistet. Sprengabbruch Die Arbeiten für den Abbruch des Wohnkomplexes „Goliath“ wurden an die ARGE Prangenberg & Zaum GmbH, Heitkamp Umwelttechnik GmbH und Thüringer Spreng GmbH vergeben und begannen im Mai 2006. In der letzten Woche wurden die Gebäude für die Sprengung vorbereitet. Zu den wesentlichen Arbeiten gehört vor allem die Schadstoffsanierung. Alle Bauteile, die Asbest, KMF oder PCB enthalten werden ausgebaut und abfallartgerecht entsorgt. So stellen die ausführenden Unternehmen sicher, dass keine Schadstoffe bei der Sprengung in die Luft geraten. Außerdem werden aus den Gebäuden alle nichtmineralischen sowie alle „losen“ Teile entfernt. Auch dies dient dem Umweltschutz und der Sicherheit der Anwohner und Zuschauer.

Die Vorbereitungen werden im August abgeschlossen. Am Sonntag, dem 13. August 2006 um 10:00 Uhr erfolgt die Sprengung. Bis Ende Oktober 2006 schließlich wird der gesamte Abbruch-Schutt beseitigt sein. Der Neubau kann beginnen.


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Links zu den beteiligten Firmen :
PL2 Pluralis
Heitkamp Umwelttechnik GmbH
Thüringer Spreng mbH
WPSchmitt Bauträger AG

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